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Interview für Das Neue Flagellanten Forum
Als mich Madame Lena K. ( www.lena-k.de ), Herausgeberin des "Das Neue
Flagellanten Forum", um ein kleines Interview bat, konnte
ich gar nicht anders, als mit Freuden zuzusagen, da doch Flagellantismus
eine meiner liebsten Spielarten im BDSM ist.
Klein ist es natürlich nicht geworden, wer mich kennt,
wird es kaum anders erwartet haben.

Das Interview
Madame Lena K.: In welchem Alter hast du bemerkt, dass du dominante
Neigungen hast und wie sind diese zum Vorschein gekommen?
La Marfa:
Rückblickend kann ich sagen, dass speziell Sadismus von
jeher ein Teil meines Ausdrucks von Zuneigung war, und das meine
ich in jedem Aspekt durchaus wörtlich. Erkennen musste
ich meine Neigung mit vielleicht 20 Jahren, als ich das von
meinem damaligen Partner mit großem Erschrecken auf seiner
Seite gespiegelt bekam. Dies, ebenso wie meine schon immer stark
ausgeprägte Neigung, meine Umstände und Menschen um
mich herum zu kontrollieren, waren aber weder aufgrund meiner
Sozialisation für mich selber noch in meinem damaligen
Umfeld akzeptierte oder akzeptable Umgangsformen. Erst eine
gute Dekade später näherte ich mich positiv über
den Umweg des Fetischismus, vorrangig Latex und Nylons, meinen
eigentlichen Neigungen und begann, sie auszuleben.
Ich drück es mal scherzhaft aus: Was liegt schließlich
näher, als dass innerhalb einer Beziehung der Mensch die
Steuerung übernimmt, der dazu prädestiniert ist. Und
seien wir mal ehrlich, Lena, Empathie und soziale Kompetenz
sind nun mal mehrheitlich nicht die herausragenden Stärken
der Männer. Und auch wenn man ihnen nachsagt, das starke
Geschlecht zu sein, so handelt es sich doch eher um eine Stärke,
die zum Tragen kommt, wenn es um physische Lasten geht –
darüber ist unsere Gesellschaft doch heute wohl hinaus,
nicht wahr?
Neulich sagte ein lieber Gast so treffend zu mir: In jeder guten
Ehe sollte es ein spanisches Pferd geben, es erleichtert die
Kommunikation enorm und fördert den Einigungswillen.
Madame Lena K.: Wie bist du auf die Idee gekommen, deine Passion
zum Beruf zu machen?
La Marfa:
Nachdem ich Blut geleckt hatte, mochte ich nach Beendigung der
Beziehung, in der ich das damals auslebte, nicht mehr auf das
Spiel mit meinem Sadismus und meiner Dominanz verzichten. Aber
ich mochte mich auch nicht sofort in eine neue Beziehung stürzen.
Die gewisse Distanz, die der professionelle Aspekt des Berufs
Domina bietet, kam mir da sehr gelegen.
Madame Lena K.: Beschreibe doch ein bisschen, wie man sich die
La Marfa in einer Session vorstellen kann? Wie beschreibst
Du Deinen Stil als Domina?
La Marfa:
Warmherzig aber konsequent, gelassen überlegen, nur in
seltenen Fällen laut, wenn es notwendig ist und immer die
Grenze meines jeweiligen Spielpartners haargenau anpeilend –
so würde ich mich selber in meinen Sessions beschreiben.
Madame Lena K.: Hast du einen ganz besonderen Fetisch / eine
Lieblingspraktik oder sogar ein besonderes Outfit welches du
besonders gerne trägst?
La Marfa:
Letztlich ist ein Outfit doch nur dazu da, dass ich nicht nackt
in meine Sessions gehe. Das Wichtigste daran ist mir, dass es
mich nie im Spiel behindert oder vom Spiel ablenkt. So würde
ich nie Schuhwerk tragen, welches mich in einem Überwältigungsspiel
unsicher macht, ein Oberteil, welches mir das Ausholen bei der
Flagellation unmöglich macht, ein Korsett, welches die
notwendige Beweglichkeit beim Ausführen von Bondage verbietet,
zu lange Fingernägel, die den sicheren Griff z.B. bei Nadelungen
erschweren, …
Mein Schwerpunkt liegt auf dem gepflegten Business-Outfit oder
Leder, wenn es etwas fetischlastiger sein soll. Mein größter
Fetisch ist mein Kontrollwunsch und meine Lieblingspraktik ist
immer die aus der Vielfalt meiner Neigungen, die ich gerade
meinem Spielpartner angedeihen lassen darf. Jedoch das stimmt
vielleicht nicht so ganz, denn meine Ausrüstung spricht
da eine ganz deutliche Sprache: Neben einem „Berg“
an Bondageseilen und einem umfangreichen Fundus an Nippletorture-
und CBT-Spielzeug sticht die Vielfalt und Vielzahl meiner eigenen
Schlagwerkzeuge hervor.
Madame Lena K.: Was könntest du dir so gar nicht vorstellen
in einer SM-Session? Was geht gar nicht?
La Marfa:
Jegliche illegale Praktiken lehne ich ausnahmslos ab, das muss
ich wohl nicht erwähnen. Darüber hinaus gibt es Praktiken,
die ich persönlich als zu weitgehend im SM-Spiel-Kontext
erachte, weil ich die ihnen innewohnenden Risiken nur zur Krankheitsabwehr
als akzeptabel ansehe.
Und es gilt zu beachten, dass ich als klassische Domina Berührungen
nur an meinen Händen bis zum Ellenbogen und meinen Füßen
bis zu den Knien dulde. Meine körperliche Abgrenzung halte
ich für notwendig, weil ich mich mental und emotional intensiv
auf meinen Spielpartner einlasse.
Madame Lena K.: Welches Feedback erfährst du von der Gesellschaft,
wenn du erzählst, was du beruflich machst?
La Marfa:
Ich bin nicht sehr eng in fremder Gesellschaft, nicht so eng,
dass es sich oft ergäbe, über meine Profession zu
sprechen. Neulich gerade kam es dazu, und diese Person äußerte
sich mit Respekt und Hochachtung vor den Anforderungen, die
dieser Beruf stellt.
Madame Lena K.: Was bereitet dir besonders Spaß und Lust
bei einer Session?
La Marfa:
Ich beziehe deine Frage jetzt mal auf Sessions im beruflichen
Kontext mit Spielpartnern auf Zeit, ja? Am schönsten ist
es für mich, wenn mein Spielpartner mir einen Strauß
an Erlebniswünschen eröffnet, aus dem ich mir die
Spielvarianten heraussuchen kann, zu denen er mich inspiriert.
Wenn ich dann während der Session merke, dass ich ihn emotional
zu packen bekommen habe, beglückt mich das geradezu. Und
rein beruflich empfinde ich es als erfüllend, wenn das
Konzept, welches ich mir für die Session gemacht habe,
sich als funktionierend und rund erweist.
Madame Lena K.: Wo liegt nach deinen Erfahrungen der Unterschied
zwischen einem devoten Mann und einem masochistischen Mann?
La Marfa:
Nach meiner Einschätzung empfindet sich ein rein masochistischer
Mann eher auf Augenhöhe mit mir als Domina, auch während
der Session, während für den devoten Mann die Frau
eher so ein wenig das Überwesen darstellt.
Madame Lena K.: Welche prominente Person würdest du denn
gerne einmal zu einer Session in deinem Studio begrüßen
und was würdest du am liebsten mit ihm anstellen.
La Marfa:
Ich nehme, was kommt. Ne, Spaß beiseite, da gibt es eigentlich
niemanden, an dem ich ein herausragendes Interesse habe. Oder
vielleicht John Malkovich - für ein Psycho-Spiel.
Madame Lena K.: Als erfahrene Betreiberin eines Studios hast
du sicherlich schon viele ungewöhnliche, außergewöhnliche,
verrückte und lustige Erlebnisse gehabt, was war aus deiner
Sicht das Besonderste?
La Marfa:
Was echte Sessions angeht, so empfinde ich jede als besonders.
Aber als Betreiberin angesprochen kann ich das gar nicht so
festlegen, weil die meisten verrückten Dinge gar nicht
einzigartig oder besonders sind, sondern quasi ein ganz normaler,
von vielen geteilter Unsinn, der mir immer wieder von verschiedenen
Seiten begegnet.
Madame Lena K.: Hattest du schon einmal eine Session in der
Öffentlichkeit??? Wenn ja wo hat diese ungefähr stattgefunden
und wie hat „die Umgebung“ reagiert?
La Marfa:
Bisher habe ich ausschließlich für mich und meinen
Partner privat kleine Situationen in der Öffentlichkeit
hergestellt, die ich so diskret gestaltet habe, dass sie nur
uns beiden als Sessionteile bemerkbar waren. Ich finde es unsäglich
unbeteiligte Öffentlichkeit in eine Session hineinzuziehen
und somit eine Rolle als Mit-Spiel-Partner aufzuzwingen. Da
ich aus dieser meiner Haltung zu dem Thema auch bei Anfragen
von Interessenten keinen Hehl mache, ist es nie zu öffentlichen
Sessions gekommen.
Madame Lena K.: Dürfen sich bei dir auch Paare oder einzelne
Frauen für eine Session melden?
La Marfa:
Sie dürfen es nicht nur, sie tun es auch gelegentlich.
Und damit meine ich jetzt nicht diese unrealistischen Anfragen
von „Herren“, die ihre eingebildete Sklavia erziehen
lassen wollen oder von ihrer eingebildeten Herrin „geschickt
werden“. Vielmehr sind es fast ausschließlich die
dominanten Damen, die sich mit mir in Verbindung setzen, um
zusammen mit ihrem devoten und / oder masochistischen Partner
zu einer Session zu mir zu kommen.
Madame Lena K.: Was sollte ein Gast auf jeden Fall mitbringen
wenn er dich das erste Mal in deinem Domizil für eine Session
aufsucht?
La Marfa:
Am schönsten ist es immer, wenn ein Gast sich bereits mit
seinen Wünschen zuvor auseinandergesetzt hat und mich so
ins Bild setzten kann. Ansonsten gibt es nichts, was ich von
einem Erstgast besonderes erwarte. Gepflegt muss jeder Gast
sein, was nicht heißt, dass er nicht sowieso vor der Session
zu duschen hat, den normalen zwischenmenschlichen Respekt setze
ich voraus, und dass der Gast loszulassen bereit ist, damit
er meine Kontrolle genießen kann.
Madame Lena K.: Führst du auch Anfänger ein? Hattest
du vielleicht ein besonders außergewöhnliches oder
spannendes Erlebnis mit einem Anfänger?
La Marfa:
Ich spiele sehr gerne mit Anfängern, und zwar gerade, weil
mir SM so viel bedeutet in meinem Leben. Ich finde es gut, wenn
ich für „die Gemeinde“ neue Mitglieder gewinnen
kann. Und ich finde es immer traurig, wenn ein Anfänger
in die Hände der Falschen oder einer normalen Prostituierten
in Lack gerät und hinterher enttäuscht glaubt, das
sei SM, was er da hat erleben müssen.
Madame Lena K.: Bietest Du auch Langzeiterziehungen oder Übernachtungen
an?
La Marfa:
Beides biete ich an. Langzeiterziehung, wie wir sie im Labyrinth
verstehen, werden auch gerne gebucht, weil sie dem Gast eine
kostengünstige Möglichkeit bieten, einen langen Zeitraum
der Öffnungszeit für relativ geringen Tribut im Studio
zu verweilen. Ich baue dann nämlich stets an sinnvollen
Stellen Pausen in die Sessions ein, die für den Gast finanziell
nicht zu Buche schlagen, weil er sie, selbstverständlich
abgesichert, allein verbringt. Diese Spielart muss man als Gast
aber wirklich mögen und das Kopfkino während der Pausen
am Laufen halten können. Wer dieses Spielmodell nur aus
einem gewissen Geiz oder Sparmentalität heraus bucht, obwohl
er der klassische „Bespiel mich, mir ist langweilig“-Typ
ist, wird damit sicher nicht glücklich werden.
Ebenfalls biete ich Übernachtungen an. Ich glaube aber,
dass diejenigen, die das nachfragen, immer ein eher ins private
gehendes Interesse haben. Da ich aber ganz klar und deutlich
vermittle, dass ich lediglich im professionellen Rahmen buchbar
bin, kam es bisher nie zu Übernachtungssessions. Mit anderen
Worten: Wenn man nicht zu meinen Füßen gefesselt
schlafen darf, verzichtet man lieber. Aber ich teile meine Nächte
nun mal nicht mit Fremden.
Madame Lena K.: Als absoluter Fan des Flagellantismus wollte
ich dir ein paar Fragen zu dem Thema stellen. Was bedeutet für
dich Spanking und welchen Reiz übt es auf dich aus, einem
Mann oder einer Frau den Hintern zu versohlen?
La Marfa:
Noch intensiver als bei Schlaggeräten spüre ich beim
Spanking den Eindruck, den ich bei meinem Gegenüber hinterlasse.
Und das ist es doch, was mich als Domina antreibt, nämlich,
was ich bei meinem Gegenüber auslöse.

Madame Lena K.: Hast du ein favorisiertes Züchtigungsinstrument
oder ein bestimmtes „Lieblingsinstrument“
La Marfa:
Zunächst zu erwähnen sind da natürlich meine
Hände, kommen sie doch in jeder Flagellation auch zuerst
zum Einsatz. Und sanft sind sie wahrlich nicht, jedenfalls nicht
nur. Aber alle meine Schlaginstrumente habe ich gerne, sonst
hätte ich sie längst weggegeben. Einen Großteil
siehst du übrigens auf dem Foto, Lena, obwohl das längst
nicht alle sind. Das Foto ist nämlich schon ein wenig älter
und es kommen ständig neue hinzu, wie jüngst ein veritabler
Ochsenziemer. Oder mir fallen neue Alltagsgegenstände als
schlagtauglich auf. Da wäre z.B. ein Stück Wasserschlauch
zu erwähnen, welches ich in meinem Kellerverließ
fand ... Jedes Schlaggerät hat nämlich so seine eigene
Eleganz und seine optimalen Stärke, mit der es geführt
werden kann, wie ich finde. Die gilt es erst mal herauszufinden.
So ist mir bisher kein Gerät untergekommen, welches ich
nicht mag.
Obwohl – ein Gerät ist mir das allerliebste. Es ist
ein antiker echter Sjambok aus Nilpferdleder, den ich mal von
einem guten Freund geschenkt bekommen habe. Aber dieser Sjambok
ist ausschließlich für meine private Nutzung reserviert.
Madame Lena K.: Vielleicht sogar auch eine favorisierte Position
wie z.B. den Zögling übers Knie legen oder ihn über
einen Bock legen etc...
La Marfa:
Oh ja, da ist der Bock doch das Gerät der Wahl, denn daran
kann ich jedes Schlaggerät anwenden, auch die längeren.
Übers Knie gelegt kommen ja nur wenige Schlaggeräte
wirklich in Betracht, so wie die Hände, Bürsten, Latschen.
Selbst einen Rohrstock oder einen Teppichklopfer muss ich in
dieser Position ja schon sehr kurz fassen und verschwende somit
deren eigentliche Kraft.
Madame Lena K.: Was für eine Bedeutung haben Rollenspiele
in deinen Sessions, und welche würdest du für dich
persönlich favorisieren?
La Marfa:
Wie sagt ein berühmter Comedian? Kann man machen, muss
man aber nicht. Ich benötige weder zur Züchtigung
noch für andere Praktiken ein Rollenspiel, ich mag die
Praktiken um ihrer selbst willen. Und Dominanz ist für
mich ja eher eine Art zu sein als ein (Rollen)spiel. Aber strenge
Lehrerin oder auch strenge Chefin sind schon nicht zu verachtende
Rollen ;-)
Madame Lena K.: Die letzte Frage gehört wie immer meiner
Interviewpartnerin. Gibt es noch etwas, das du den Lesern dieses
Interviews gerne mitteilen würdest?
La Marfa:
Respekt ist keine Einbahnstraße.
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